„In Gottes Liebe verwurzelt – in Nächstenliebe verankert“
So lautet das neue Leitwort unserer Pfarrei. Das klingt poetisch. Aber es ist mehr alsnur Poesie. Es ist ein geistlicher Lebensentwurf, eine klare Richtung für unser Christsein. Wenn wir uns vorstellen, in Gottes Liebe verwurzelt zu sein, dann sehen wir ein Bild vor uns: einen Baum, der kräftig, tief gegründet, nicht zu erschüttern ist. Er steht fest, weil seine Wurzeln tief in die Erde gehen und weil sie verborgen unter der Oberfläche Halt finden. So sind auch wir, wenn wir mit Gott verbunden sind. Gottes Liebe ist kein flüchtiges Gefühl. Sie ist ein tragender Grund, ein stilles, aber kraftvolles Fundament. Wer in ihr verwurzelt ist, der steht auch dann noch, wenn der Wind des Lebens heftig bläst, wenn Zweifel aufkommen, wenn das Leben uns herausfordert. In Gott verwurzelt zu sein bedeutet: Ich schöpfe meine Kraft nicht aus mir selbst, sondern aus einer Quelle, die nie versiegt. Doch die Wurzel allein macht noch keinen ganzen Baum. Ein Baum wächst nicht für sich allein. Er spendet Schatten, trägt Früchte, bietet Schutz. Er steht in Beziehung zur Welt um sich herum. So ist auch unser Glaube kein blosses "Ich und Gott". Er streckt sich aus. Er zeigt sich. Er lebt – in der Liebe zum Nächsten. Darum heisst es weiter: „in Nächstenliebe verankert.“ Es ist ein starker Begriff: verankert. Er erinnert an ein Schiff, das nicht abtreibt, und an etwas, das festgemacht wird. In der Nächstenliebe verankert zu sein heisst: Unser Glaube bleibt nicht Theorie. Er sucht das Gegenüber. Er zeigt sich in Worten – ja, aber auch in Taten. Jesus selbst hat gesagt: „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: Wenn ihr einander liebt.“ (Joh 13,35) Die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten gehören untrennbar zusammen wie Wurzeln und Zweige, wie Fundament und Handlung, wie inneres Leben und äusseres Zeugnis.
Liebe Mitchristen, lasst uns neu vertrauen: Gott will uns Halt geben – wie ein guter Boden den Wurzeln. Und er ruft uns zugleich hinaus – zur tätigen Liebe, die heilt, stärkt, tröstet, verändert. Wer in Gottes Liebe verwurzelt ist und in Nächstenliebe verankert bleibt, lebt nicht nur mit Sinn, sondern wird selbst zum Segen.
„In Gottes Liebe verwurzelt – in Nächstenliebe verankert“ -
im Licht der Zehn Gebote
Die Zehn Gebote sind weit mehr als ein moralischer Katalog. Sie sind eine Einladung zu einem Leben in Beziehung: mit Gott und mit dem Nächsten. Und genau darin liegt der tiefere Sinn unseres Leitsatzes: „In Gottes Liebe verwurzelt – in Nächstenliebe verankert“. Die ersten drei Gebote sind die Wurzeln unserer Liebe. Denn sie richten sich auf Gott: 1. Ich bin der Herr, dein Gott… du sollst keine anderen Götter haben neben mir. 2. Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen. 3. Du sollst den Sabbat heiligen.
Diese Gebote laden uns ein, in Gott verwurzelt zu leben. Sie zeigen, wer wir sind und worauf wir bauen: nicht auf Macht, nicht auf Erfolg, nicht auf das Ich, sondern auf die Liebe Gottes, die uns trägt, formt und befreit. Das 1. Gebot erinnert uns:
Gott ist die Mitte und nicht wir selbst. Das 2. Gebot mahnt zur Ehrfurcht und Demut – auch im Reden über das Heilige. Das 3. Gebot schenkt Raum für Ruhe, Beziehung, Anbetung – ein Atemholen aus der Tiefe. Unsere Verwurzelung liegt also in der unerschütterlichen Liebe Gottes. Die übrigen
sieben Gebote richten sich auf die Verankerung der Liebe im Nächsten:
4. Du sollst Vater und Mutter ehren.
5. Du sollst nicht töten.
6. Du sollst nicht ehebrechen.
7. Du sollst nicht stehlen.
8. Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.
9. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.
10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau.
Diese Gebote zeigen, wie Liebe konkret wird: im Respekt vor dem Leben, in der Treue, im ehrlichen Umgang, in der Achtung der Würde jedes Menschen. Hier wird sichtbar, was „in Nächstenliebe verankert“ bedeutet: Die Liebe zu Gott drängt zur Tat. Sie zeigt sich daher in unserem Umgang miteinander: im Zuhören, im Vergeben, im Teilen, im Dienen. Wie der Apostel Johannes schreibt: „Wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht.“ (1 Joh 4,20)
Die Zehn Gebote sind wie ein Baum: Die ersten drei Gebote sind die Wurzeln, tief verwurzelt im Boden der Gottesliebe. Die übrigen sieben Gebote sind die Äste und Früchte, sichtbar in der Welt, verankert in der Nächstenliebe. Wer in Gottes Liebe verwurzelt ist, wird Frucht bringen in der Liebe zum Nächsten. Im neuen Pfarreijahr wollen wir uns jeden Monat jeweils über ein Gebot Gedanken machen, uns darauf besinnen und damit unser Leben als Einzelne und als Pfarrgemeinschaft verwurzelt in Gottes Liebe und verankert in Nächstenliebe gestalten. Allen wünschen wir ein gesegnetes Pfarreijahr.
„Liebe ist das Einzige, was sich vermehrt,
wenn man sie verschenkt.“ Albert Schweitzer
In Gottes Liebe verwurzelt - in
Nächstenliebe verankert
Wie Bäume still am Wasser steh’n,
die tief ins Erdreich Wurzeln zieh’n,
so dürfen auch wir fest vertrauen:
Gott lässt uns nie im Leeren steh’n.
In seiner Liebe sind wir fest,
auch wenn das Leben stürmisch weht.
Er ist das Licht in dunklen Tagen,
das uns treibt, die Hoffnung zu wagen.
Doch Liebe bleibt nicht nur bei mir,
sie fliesst von Gott durch mich zu dir.
Sie zeigt sich dort, wo Menschen handeln,
sich tragen, trösten und Mut verwandeln.
Ein gutes Wort, ein kleines Lächeln,
ein Blick, der sieht, was anderen fehlt.
So wächst aus Wurzeln Nächstenliebe,
die Herzen öffnet, fliesst wie durch Siebe.
Verwurzelt tief in Gottes Liebe,
verankert fest in Nächstenliebe,
so wird die Welt noch heller – für alle Fälle –
durch dich und mich, durch ihn, durch alle.